Therapie gegen Migräne

Mit den zur Verfügung stehenden Präparaten müsste niemand mehr das Leid einer Migräneattacke hilflos ertragen. Mit Unterstützung durch einen medizinischen Experten lässt sich heutzutage eine individuelle Behandlung „maßschneidern“.

Leichte Attacken selbst behandeln

Bei leichten bis mittelschweren Migräneattacken spricht aus Sicht von Experten nichts gegen die Einnahme rezeptfreier Schmerzmittel. Ihre Wirkung gegen leichte bis mittelschwere Migräneattacken ist belegt. Gemäß den Leitlinien der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG) sind Kombinationspräparate mit Acetylsalicylsäure (ASS), Paracetamol und Koffein etwas wirksamer als 1000 mg ASS oder 400 mg Ibuprofen allein.

Triptane gegen starke Migräne

Zur Behandlung mittelschwerer bis starker Migräneattacken werden spezifische Migränemedikamente aus der Gruppe der Triptane eingesetzt. Triptane wirken direkt an den Blutgefäßen des Gehirns, dort, wo der Schmerz entsteht. Sie sind in ihrer chemischen Struktur dem körpereigenen Botenstoff Serotonin ähnlich und verengen Gehirnblutgefäße. Triptane sollten deshalb nicht bei Bluthochdruck, Erkrankungen der Herzkranzgefäße, bei Schlaganfall- oder Herzinfarktgefahr oder bei Gefäßkrankheiten angewendet werden.

Einnahmezeitpunkt ist wichtig

Triptane, wirken in jeder Phase der Attacke zuverlässig. Es besteht so die Möglichkeit, etwas länger zu warten, um die Beschwerden nicht mit einem Spannungskopfschmerz

zu verwechseln. Denn bei Kopfschmerzen vom Spannungstyp wirken Triptane in der Regel nicht. Allerdings ist die Wirksamkeit von Triptanen nicht zur Diagnosestellung von Migräne geeignet, da Triptane auch bei Migräne unwirksam und bei Sonderformen des Spannungskopfschmerzes wirksam sein können.

Einige Studien zeigen jedoch auch, dass Triptane besser wirken, wenn sie früh in der Migräneattacke eingenommen werden oder wenn der Kopfschmerz noch leicht ist. Eine frühe Einnahme wird aber nur empfohlen, wenn die Attacken nicht zu häufig sind (unter zehn Kopfschmerztage pro Monat) und wenn der Betroffene eindeutig seinen Kopfschmerz als Migräneattacke identifizieren kann.

Das richtige Triptan finden

Mittlerweile stehen sieben verschiedene Wirkstoffe aus der Klasse der Triptane zur Migränetherapie zur Verfügung. Als entscheidendes Kriterium für die erfolgreiche Bewertung einzelner Wirkstoffe gilt eine Besserung der Kopfschmerzen von schwer oder mittelschwer auf leicht oder kopfschmerzfrei innerhalb von zwei Stunden nach Anwendung des entsprechenden Präparates und eine wiederholbare Wirkung bei zwei von drei Migräneattacken.

Triptane liegen in verschiedenen Darreichungsformen vor: als Tablette, Zäpfchen, Spritze, Nasenspray und Schmelztablette. In umfangreichen Analysen der vorhandenen Forschungsergebnisse wurden Unterschiede zwischen den Triptanen festgestellt. Manche Wirkstoffe entfalten ihre Wirkung sehr schnell, wirken aber nicht so langanhaltend. Andere wirken nicht so schnell, dafür aber länger. Falls ein Triptan bei einem Patienten nicht wirkt, kann trotzdem ein anderer Wirkstoff Erfolg haben. Das richtige Medikament für „seine Migräne“ zu finden, erfordert deshalb etwas Geduld und Erfahrung. Ein Kopfschmerzspezialist kann dabei helfen.

Begleitsymptome der Migräne behandeln

Übelkeit und Erbrechen gehören zu den charakteristischen Begleitsymptomen der Migräne. Da der gesamte Verdauungstrakt schon zu Beginn einer Migräneattacke gestört sein kann, werden die Medikamente oft nicht vollständig aufgenommen. Aus diesem Grund wird empfohlen, etwa 15 Minuten vor der Einnahme der Schmerzpräparate ein Mittel gegen Übelkeit und Erbrechen zu nehmen. Dies kann auch die typischen Begleiterscheinungen der Migräne bessern und dafür sorgen, dass die Schmerzmittel zügig in den Dünndarm gelangen, wo sie aufgenommen werden. In Frage kommen die verschreibungspflichtigen Wirkstoffe Metoclopramid oder Domperidon. Metoclopramid hat sogar eine geringe eigenständige Wirkung auf die Kopfschmerzen bei einer Migräneattacke. Rezeptfreie Mittel gegen Übelkeit sind nicht geeignet.


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