Koffein

Koffein gegen Kopfschmerz? Sie denken, Koffein macht Kopfschmerzen? Es ist richtig: Kinder und Jugendliche bekommen Kopfschmerzen, wenn sie zu viel Cola trinken.

Doch Koffein kann nicht nur Kopfschmerzen auslösen, sondern auch beseitigen. Koffein hat neben der bekannten belebenden Wirkung positive Effekte speziell gegen Kopfschmerzen und Migräne. Es gelangt mit dem Blut ins Gehirn und erweitert dort verengte Blutgefäße. Kopfschmerzen, die durch eine mangelnde Blutversorgung entstanden sind, können dadurch gelindert werden. So erklärt sich auch die von der Hausapotheke bekannte Wirkung einer Tasse starken Kaffees zu Beginn einer Migräneattacke.
Koffein steigert nicht nur die Leistungsfähigkeit des Gehirns, auch unser Organismus reagiert darauf. Es kurbelt den gesamten Stoffwechsel an, die Blutgefässe weiten sich, der Herzschlag wird erhöht und die Organe werden besser durchblutet.

Menschen, die viel Kaffee trinken, haben seltener anhaltende Kopfschmerzen.

In einer norwegischen Studie wurden Daten von mehr als 50.000 Teilnehmern der Nord-Trondelag Health Survey ausgewertet (J. Headache Pain, 2009, 10, 153). Wie Forscher um Dr. Knut Hagen in Trondheim berichten, ergab sich aus der Analyse ein schwacher, aber eindeutiger Zusammenhang zwischen dem Kaffeekonsum und gelegentlichen Kopfschmerzen.

Im Gegensatz dazu waren Kopfschmerzen, die länger als 14 Tage pro Monat bestanden, weniger wahrscheinlich bei Menschen mit einem hohen Kaffeekonsum. Die norwegischen Wissenschaftler interpretieren das so, dass starker Kaffeekonsum chronische Kopfschmerzen in gelegentliche umwandelt. Als Ursache nehmen sie dafür die schmerzlindernden Eigenschaften des Koffeins an.


Als Kombipräprat umstritten

Die Wirkung von Kombinationspräparaten mit Koffein ist bei Experten sehr umstritten. Einer Untersuchung zufolge soll das Koffein durch seine anregende Wirkung dazu verleiten, die Schmerzmittel länger als nötig zu nehmen. Dadurch erhöhe sich das Risiko, einen schmerzmittelbedingten Dauerkopfschmerz zu entwickeln.

Andere Experten finden diese Warnung übertrieben. Sie heben hervor, dass gerade die Kombination aus Acetylsalicylsäure (ASS), Paracetamol und Koffein besonders wirksam sei, wobei Koffein als "Beschleuniger" wirke: Dieser Effekt ist unter anderem dadurch zu erklären, dass Koffein die Aufnahme von ASS aus dem Darm ins Blut beschleunigt – die Stoffe sich also gegenseitig ergänzen und eine schnellere Wirkung erzielen.

Und: Koffeinhaltige Schmerzmittel fördern weder einen Missbrauch noch führen sie zu einer vermehrten Einnahme, so das Ergebnis eines internationalen Expertengremiums, das die verfügbare Literatur gesichtet und kritisch bewertet hat. Die Kommission wurde unter Beteiligung der Zulassungsbehörden Deutschlands, Österreichs und der Schweiz zusammengestellt.

Die Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG) weist ausdrücklich auf die positive Wirksamkeit der Kombi-Präparate in der Behandlung akuter Migräneattacken hin, die durch Studien belegt ist. Bei gelegentlich auftretenden, leichten bis mittelschweren Spannungskopfschmerzen ist eine Kombination der Wirkstoffe Acetylsalicylsäure (ASS), Paracetamol und Koffein Mittel der ersten Wahl.

Quellen: Feinstein, A.R. et al.: Clinical Pharmacology & Therapeutics, 68: 457-467, 2000;  Feinstein, A.R. et al.: Kidney International, 58: 2259-2264, 2000; Diener et al.: Schmerz 14: 269-283, 2000

DMKG: www.dmkg.de/dmkg/sites/default/files/migraene%20und%20spannungskopfschmerz.pdf